Kontakt  |  

Sitemap  |  

AGB + Impressum  |  

Einsatzorte  |  

Cookies & Datenschutz  |  

Sie sind hier: 

>> Hundelexikon A- Z  >> Hundelexikon Q - Z  >> R - Rangordnung 

Rangordnung - Rudelführer

Der Begriff Rangordnung kommt aus der Verhaltensbiologie und beschreibt die Hierarchie in einem Rudel. Sie legt die Rechte und Pflichten der einzelnen Gruppenmitglieder fest. Eine bestehende Rangordnung gilt folglich nicht unbegrenzt, sondern wird von den Rangniederen immer wieder in Frage gestellt, sobald sich Gegebenheiten ändern oder einfach die Gelegenheit ergibt. Denn bei der Rangordnung geht es nicht nur um die reine Rangfolge der Gruppenmitglieder, sondern auch um das Gewinnen und Verlieren von Ressourcen, sprich das Recht sich fortzupflanzen, das Recht der Verteilung von Futter und Wasser, aber auch Pflichten wie das Schlichten von Streitigkeiten zwischen rangniederen Tieren etc.

Wie schon unter Verhaltenstherapie erwähnt, gilt der Wolf, genauer gesagt der graue bzw. gemeine Wolf, als Urvater unseres heutigen Haushundes. Auch wenn im Rahmen der Domestizierung einige genetische Eigenschaften (Ausbildung von Rassen mit unterschiedlichen Merkmalen, Änderung und Verlust unerwünschter Verhaltensweisen wie z.B. das Fluchtverhalten des Wolfes) verändert wurden, so überwiegen wissenschaftlich noch immer die Merkmale des Stammvaters. Und aus genetischer Sicht unterscheiden sich der Wolf (canis lupus lupus) und unser Haushund (canis lupus familiaris) sogar nur um 0,2 %!

Die Beobachtungen, die man bei Gehegewölfen machen kann, lassen sich diesbezüglich also auch unsere Hunde übertragen. Auch hier wird eine Rangordnung festgelegt, unter Umständen sogar immer wieder neu. Hierzu dienen den Tieren eine Vielzahl von überwiegend körperlichen Signalen, die von anderen Mitgliedern der gleichen Art angeborenerweise verstanden werden und meist nicht erst erlernt werden müssen. Oft reichen schon kleine Veränderungen der Körperhaltung oder des Gesichtsausdruckes des Ranghöheren aus, um den anderen Gruppenmitgliedern gegenüber Überlegenheit und Souveränität auszudrücken, denn einen Rang erkämpft man sich nicht durch aggressives und kämpferisches Verhalten, sondern vielmehr durch eben diese Überlegenheit, Souveränität und Intelligenz.

Auch unser Haushund kennt von Natur aus diese Signale, weiß sie zu deuten und richtet sich nach ihnen bzw. reagiert entsprechend. Darüber hinaus kann ein jeder Hund die vom Menschen verwendeten Befehle (Worte, Gestik, ja sogar Mimik) verstehen und ebenso in seinen „Signalschatz“ aufnehmen und verinnerlichen, vorausgesetzt, sie werden ihm (am besten frühzeitig) beigebracht. Wenn Ihr Hund also schon im Welpenalter gut erzogen und sozialisiert wurde, verhält er sich auch dem Menschen gegenüber wie zu einem ranghöheren Hund und akzeptiert dessen Befehle. Wobei anzumerken ist, dass er Kleinkindern eher eine Sonderrolle außerhalb des Rudels zuordnet, sie jedoch nicht als Ranghöhere anerkennt! In dieser Konstellation ist also immer Vorsicht geboten.

Ein grundsätzliches Merkmal bei der Rangordnung ist die Wechselwirkung von Aktion und Reaktion, wobei die Aktion vom Rudelführer bzw. Ranghöheren ausgehen sollte und der Rangniedrigere darauf reagiert. Und was für das Verhältnis der Tiere zueinander gilt, ist für das Verhältnis Mensch zu Hund umso wichtiger: Am Ende des Tages sollte der Mensch als Rudelführer wesentlich mehr Striche auf der Aktionsseite als auf der Reaktionsseite haben. Der Mensch agiert und der Hund reagiert, nicht umgekehrt, sonst ist der Mensch seine Rolle als Rudelführer schneller los, als er es sich vorstellen kann.

Neben der Rudelführerrolle des Menschen ist die Rangfolge der Hunde untereinander immens wichtig, soweit mehrere Vierbeiner zur Familie gehören. Sie sollten nie versuchen, diese Rangfolge zu ändern, in dem Sie einen ranghöheren Hund auf einen rangniedrigeren Platz verweisen. Dies kann zu erheblichen Problemen bis hin zu gefährlichen oder sogar tödlichen Kämpfen unter den Hunden führen. Wenn Sie einem rangniederen Hund mehr Privilegien einräumen als dem ranghöheren Tier, gerät die Welt und die Rangordnung beider Hunde aus den Fugen. Damit tun Sie weder sich noch einem ihrer Hunde einen Gefallen. Die Rangordnung der Hunde untereinander sollten die Hunde unter sich ausmachen, als Halter sollten sie nur eingreifen, wenn dabei zu viel Aggression an den Tag gelegt wird und für eine der Parteien die Situation gefährlich wird. Ziehen Sie notfalls auch einen Fachmann wie einen Hundepsychologen hinzu, um Fehler zu vermeiden und keinem der Hunde Schaden zuzufügen.

Eine besondere Situation entsteht bei „Neuzugängen“, wenn also ein weiterer Hund in die Familie aufgenommen wird. Der „Neuling“ wird sich je nach Charakter und Veranlagung entweder unter- bzw. einordnen oder aber die Rudelführerrolle beanspruchen. Ihre Rolle als Halter und Rudelführer darf aber nie zur Debatte stehen, lediglich die Rangfolge der Hunde untereinander wird „neu verhandelt“. Sollten Sie unsicher sein, lassen Sie sich von einem Hundeprofi beraten, wie Sie die Hunde und die Hierarchie unter ihnen besser einschätzen können. Dadurch vermeiden Sie unter Umständen gravierende Fehler und können ein entspanntes Miteinander aufbauen.





Copyright 2009 - 2014 - hundeverhalten.es - Alle Rechte vorbehalten.